
Lehre
Universität Hannover
Wintersemester 1998/99
Ethnische Minderheiten in der modernen Gesellschaft
Faktisch ist Deutschland längst zu einem Einwanderungsland geworden. Die Frage der Eingliederung eingewanderter Minderheiten ist deshalb von großer Bedeutung. Unter dem Begriff der Integration hat man diesen Prozeß allerdings lange Zeit ausschließlich im Sinne einer Anpassung der Einwanderer und ihrer Kinder verstanden. Aber woran soll sich dieser Personenkreis in einer modernen, pluralistischen Gesellschaft eigentlich anpassen? Welche Kosten hat ein derartiger Anpassungsprozeß? Wie ist die Bildung ethnischer Gemeinschaften aus der Sicht der Mehrheitsgesellschaft zu bewerten? Was zeichnet derartige Gemeinschaften aus? Welche Chancen und Risiken birgt die Eingliederung von Einwanderern in ethnische Gemeinschaften? Gibt es die Möglichkeit einer Balance zwischen moderner Gesellschaft und ethnischer Gemeinschaft? Könnte eine derartige Balance vielleicht sogar ein Vorbild für die Angehörigen der Mehrheitsgesellschaft sein, um den negativen Folgen der Individualisierung zu begegnen, ohne zugleich die rigide soziale Kontrolle "dörflicher" Strukturen in Kauf nehmen zu müssen? Geplant ist neben der Auseinandersetzung mit relevanten theoretischen Positionen auch die Diskussion mit Vertretern/Vertreterinnen ethnischer Minderheiten, um Informationen aus erster Hand zu erhalten.
Zur Vorbereitung empfohlen:
Annette Treibel: Migration in modernen Gesellschaften. Weinheim; München: Juventa 1990